Was versteht man unter dem Begriff Berufsunfähigkeit?

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Verfasst von HanseMerkur am 08.08.2012.


Eine einheitliche Erklärung des Begriffs der „Berufsunfähigkeit“ kennt die private deutsche Versicherungswirtschaft derzeit noch nicht.

So sehr eine Vereinheitlichung auch gewünscht ist, eine einheitliche Erklärung des Begriffs der „Berufsunfähigkeit“ kennt die private deutsche Versicherungswirtschaft derzeit noch nicht. Weil sich die Versicherungsarten und auch die Versicherungssysteme teilweise gravierend unterscheiden, gibt es auch eine jeweils darauf abgestimmte Erläuterung beziehungsweise Definition des Begriffs der „Berufsunfähigkeit“. So definiert die Sozialversicherung den Begriff anders, als die Lebensversicherer oder gar die private Krankenversicherung.

 

Die Berufsunfähigkeit

 

Die deutschen Lebensversicherer beschreiben den Begriff der „Berufsunfähigkeit“ in aller Regel wie folgt. Demnach liegt eine Berufsunfähigkeit dann vor, wenn der Versicherte durch eine Krankheit, einen physischen Verfall oder infolge einer Körperverletzung mindestens über einen Zeitraum von sechs Monaten nicht in der Lage ist seinen Beruf oder aber eine andere Erwerbstätigkeit auszuüben. Die Erwerbstätigkeit muss hierbei den Kenntnissen und Fertigkeiten des Versicherten und der bisherigen Arbeitsposition entsprechen. Die Berufsunfähigkeit muss zudem ärztlich nachgewiesen werden, also durch einen Arzt verifiziert werden. Dem gegenüber zahlt eine private Berufsunfähigkeitsversicherung schon dann Leistungen an den Versicherten, wenn der Versicherte infolge einer Erkrankung oder eines externen Ereignisses, also eines Unfalls, in seiner Berufsausübung zu mindestens 50 Prozent gehindert ist. Auch wer eine Pflegebedürftigkeit erlangt und mindestens für sich die erste Pflegestufe reklamieren kann, gilt in den meisten Versicherungsfällen als berufsunfähig, im Sinne der vertraglichen Vereinbarung. Vielfach lassen sich auch innerhalb der verschiedenen Lebensversicherer Unterschiede in den Versicherungsbedingungen finden. Oftmals lassen sich selbst innerhalb eines Unternehmens, dank verschiedener Tarife, unterschiedliche Erklärungen für den Begriff der Berufsunfähigkeit finden. Diese Regelungen sollen die unterschiedlichen Schutzbedürfnisse der Versicherten Rechnung tragen. Im Klartext, von der preiswerten Grundabsicherung bis hin zur All-Inklusive-Variante sind alle Tarife und alle Leistungsspektren enthalten. Dementsprechend unterschiedlich sind die Definitionen des Begriffs der „Berufsunfähigkeit“.

 

Ursache der Berufsunfähigkeit

Zunächst einmal muss die Berufsunfähigkeit auf eine Erkrankung, einen physiologischen Verfallsprozess oder eine Körperverletzung zurückzuführen sein. Im Prinzip gibt es also einen weitreichenden Pool von möglichen Ursachen der Berufsunfähigkeit.

 

Ab wann gilt ein Arbeitnehmer als berufsunfähig? Was sind die Auswirkungen?

Berufsunfähig ist ein Arbeitnehmer dann, wenn er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in seinem erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten kann. Der Arbeitnehmer muss also komplett arbeitsunfähig sein, in einem Bereich, der seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht. Sollte sich nämlich die Möglichkeit eröffnen, eine andere Tätigkeit, die seinen Kenntnissen und Fertigkeiten entspricht, wenn auch nur für wenige Stunden am Tag, auszuüben, so gilt der Betroffene vor dem Gesetzgeber nicht als berufsunfähig. Versicherungen nutzen vielfach gerade diesen Passus, um sich vor Zahlungen zu drücken. Gerade aus diesem Grunde weisen Verbraucherzentralen in ihren Ratgebern darauf hin, in den Versicherungsbedingungen unbedingt den Verweis auf abstrakte Formulierungen zu unterbinden und klipp und klar festzuhalten, ab wann bei der Versicherungsgesellschaft der Zustand der Berufsunfähigkeit einsetzt und ab wann eben nicht. Durch diese konkrete Formulierung kann die Versicherung den Arbeitnehmer letztlich nur noch anhand seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als berufsunfähig oder berufsfähig einteilen. Es gilt somit der Grundsatz der konkreten Verweisung. Insbesondere in älteren Versicherungswerken finden sich oftmals die verklausuliert wirkenden abstrakten Verweise, die es der Versicherung oftmals ermöglichen, sich vor einer Zahlungsverpflichtung im Versicherungsfalle zu drücken. Bei den abstrakten Verweisen kann der Versicherungsnehmer nämlich auch in Berufen eingesetzt werden, die seinen Kenntnissen und Fertigkeiten entsprechen, die er aber zum Zeitpunkt der Beantragung der Versicherung zum Teil noch nie gehört hat, geschweige denn jemals ausgeübt hat. In diesem Fall erfolgt seitens der Versicherung eine abstrakte Verweisung auf einen zwar existenten Beruf, nicht jedoch auf die aktuell vom Versicherten ausgeübte Tätigkeit.

 

Prognose

Damit eine Versicherungsgesellschaft zur Zahlung verpflichtet werden kann, muss eine Berufsunfähigkeit mindestens über einen Zeitrahmen von einem halben Jahr vorliegen oder prognostiziert werden.



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